Nachdem es schon lange guter Brauch unter Angehörigen von Kindergärten und Altersheimen ist, sich über nicht lösbare Grundsatzfragen ad Infinitum zu streiten, scheint dieser Usus nun auch Eingang in die deutsche Presselandschaft zu finden.
Da streiten sich nun FAZ und SZ darum, ob sich die Standford University tatsächlich finanziell am Suhrkamp-Verlag beteiligen will, dessen Schicksal ja schon seit Jahren im Ungewissen ist. Zuerst kolportierte die Faz die Nachricht, anschließend antwortete die SZ mit einem Dementi durch Hans Ulrich Gumbrecht -auf den sich die FAZ bei ihrer ersten Meldung berufen hatte- nun pariert die FAZ mit weiteren Zitaten von Gumbrecht:
http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AFE338/Doc~E2E4BD608F9CC4D90B585FE24B0A5079A~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.sueddeutsche.de/,tt2m2/kultur/artikel/1/111889/
So weit, so gut. Doch warum werden die Leser eigentlich überhaupt mit solchen Meldungen behelligt? Natürlich, die Zeitungen haben ein Informationsinteresse und solche pikanten Meldungen könnten auch sensationsgierigen Boulevard-Intellektuellen und Verschwörungstheorie-Anhängern viel Freude bereiten. Aber haben wir es hier eigentlich noch mit Wahrheit zu tun - die man durch Fakten beweisen könnte- oder gilt der Grundsatz, dass man zuerst schreiben und erst nach Widerworten nach Fakten für seine Aussagen suchen muss. Oder soll das eine neue Art von postmodernem Journalismus sein, in dem die Wahrheit als Meistererzählung nun völlig aufgegeben wirdf?
Wenn also schon nicht die Wahrheit diese Meldung motiviert hat, wozu wird dann überhaupt noch so ein Artikel publiziert? Wahrscheinlich soll es darum gehen, den amerikanischen Kulturimperialismus nun auch im deutschen Wissenschafts- und Verlagsbetrieb offenzulegen.
Das Einzige was man damit aber wirklich offengelegt hat, ist das eigene gespaltene Verhältnis zum Signifkaten, eine Ente, die Wasser auf den Mühlen des Konkurrenten ist. Und dass der wohl auch nicht nur aus Liebe zum Wahren mit einem journalistischen Fehdehandschuh antwortet, dürfte klar sein.
Da muss man sich nur fragen, ob es wirklich nötig ist, die gebotene Seriösität über Bord zu werfen und sich eine feuilletonistische Schlammschlacht zu liefern. Das Niveau solcher Diskussionen ist mal wieder eine anschauliche Lektion über das Verhältnis von Journalismus zur Wahrheit: im Zweifelsfall gilt, dass das Wahrheit ist, worüber man schreiben kann.
Dienstag, 1. Mai 2007
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